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Die deutsche Huffington Post ist völlig belanglos – eine gute Nachricht!

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Um den Start der deutschen Huffington Post ist vorab viel Tamtam gemacht worden. Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellt. Doch vielleicht ist das ja auch die gute Nachricht – eine Konkurrenz für Journalisten dürfte die HuffPo kaum werden. Dafür ist sie zu banal und handwerklich schlecht gemacht.

Fangen wir mit dem Aufmacher vom Samstag an (12. Oktober 2013) an:

Der Aufmacher der deutschen Huffington Post vom 12. Oktober 2013 zeigt, wie handwerklich schlecht das Portal gemacht ist.
Der Aufmacher der deutschen Huffington Post vom 12. Oktober 2013 zeigt, wie handwerklich schlecht das Portal gemacht ist.

Der Titel der Aufmachergeschichte erweckt den Anschein, dass der Limburger Bischof einen offenbar geplanten Besuch beim Papst platzen lässt. Doch Ätschibätsch, im Vorspann heißt es dann, dass er doch nach Rom fliege, nämlich „im Laufe der Woche“ – für mich sieht „versetzen“ anders aus. (Außerdem war zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht klar, ob der Papst den Bischof überhaupt empfangen würde.) Wenn eine Überschrift mehr verspricht, als der Artikel halten kann, dann ist das schlechtes Handwerk. Und geht den Lesern bald auf die Nerven.

Und die viel beschworenen Blogs? Sind belanglos. Ein paar Beispiele:

In ihrem Geleitwort schreibt Ariana Huffington:

Die Huffington Post Deutschland startet in einer Phase der Veränderung und des Aufbruchs in der deutschen Medienlandschaft. Bloggen ist hier noch relativ wenig verbreitet.

Der letzte Satz ist doch eine recht steile These. Die Zahl der deutschen Blogs oder Blogs in Deutschland lässt sich in der Tat kaum genau benennen. Allerdings kommt die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) bereits für 2007 auf eine Zahl von 600.000 Blogs und auch ARD und ZDF gehen von mehreren hunderttausend aktiv betriebenen Blogs aus. Ist das wirklich „relativ wenig“?

Nach dem Geleitwort darf Editorial Director (was sich für mich ein wenig anhört wie Frühstückdirektor) Cherno Jobatey übers Internet unter anderem sinnieren:

Auch uns in den Medien hat die Veränderung kalt erwischt.

Na ja, nun haben Print, Hörfunk und Fernsehen mittlerweile fast zwanzig Jahre Zeit gehabt, sich aufs Internet einzustellen. So langsam müsste aus dem kalten Erwischen etwas Lauwarmes geworden sein. Vielleicht sogar ein paar Ideen, wie man denn journalistische Geschichten fürs Web aufbereiten könnte? Allerdings habe ich mehr den Eindruck, dass die meisten Medienhäuser das Internet noch immer für etwas halten, das auch wieder vorübergeht.

Und wer bloggt sonst noch worüber? Ein paar Höhepunkte:

• Boris Becker darf Werbung für sein neues Buch machen:

Wenn man solch ein Buch angeht, muss man schon wissen, was man will. Ich wollte die ungeschminkte Wahrheit der letzten zwölf Jahre aufschreiben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Dinge klarzustellen, die aus meiner Sicht in der Öffentlichkeit völlig falsch rübergekommen sind und mich hier und da auch in meiner Ehre als Familienvater sehr getroffen haben. Ich denke, das ist mein gutes Recht.

Ja, und unser gutes Recht ist es, das Buch auch weiterhin nicht zur Kenntnis zu nehmen.

• René Obermann darf Werbung für die Telekom machen:

Wir bauen die besten Netze für die kommende Gigabit-Gesellschaft.

• Und die Burda-Journalistin Natalia Karbasova beginnt ihren Beitrag „Wie lege ich meine Daten in der Cloud sicher ab?“ mit der verblüffenden Erkenntnis:

Wer viel unterwegs ist, muss wichtige Daten immer mit dabei haben.

Wow, wer hätte das gedacht? Zumindest ein guter Einstieg für einen Artikel, der auch sonst nichts Neues bringt, nur Erkenntnisse, die sämtliche PC-Zeitschriften schon vor Monaten und in mehr Detail gedruckt haben.

Und die Quintessenz? Das einzig Bemerkenswerte an der HuffPo bleibt weiterhin, dass sie ihre Blogger nicht bezahlt und dass die auch die volle Haftung für ihre Blogs tragen – ohne Rückendeckung des Online-Portals.