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NSA, Spionage und Merkels Smartphone: na und?

Surveillance, cc  Jon Olav Eikenes
Surveillance, cc Jon Olav Eikenes

Was soll bloß die ganze Aufregung um die Abhörung des Merkel-Phones? Hat denn wirklich jemand geglaubt, dass die NSA und die anderen US-Geheimdienste nur gewöhnliche Bürger ausspionieren? Und führende Politiker nicht?

Welchen Wert mag es für die NSA haben, wenn sie weiß, dass Klaus Mustermann am 27.10.2013 um 18.33 Uhr von seinem Samsung*-Smartphone eine SMS im Vodafone*-Netz versendet hat mit dem Inhalt: „Hey, Süße, stehe gerade vor der Gemüsetheke bei Edeka*. Soll ich ein paar Tomaten mitbringen?;-)“

Ist doch logisch, dass Merkels Ansichten zum Beispiel zum Freihandelsabkommen ungleich wichtiger für die US-Regierung sind.

Wirklich interessant finde ich indessen folgende Fragen:

• Wie war es überhaupt möglich Merkels Smartphone abzuhören? Hat sie damit wirklich Gesprächspartner angerufen, die über kein verschlüsseltes Handy verfügen? Und wenn ja, warum hat ihr kein Sicherheitsberater gesagt, dass sie dann natürlich belauscht werden kann?

• Wie werten die Geheimdienste die Unmengen von Daten überhaupt aus? Allein in Deutschland sollen bis zu 60 Millionen Telefondaten abgegriffen worden sein – täglich.

Meine Mathematiklehrerin hat vor 30 Jahren einmal zu einem Mitschüler gesagt: „Dein Gehirn ist wie ein Computer, es kann riesige Datenmengen speichern.“ Pause, dann fuhr sie fort: „Leider kann dein Gehirn sie offenbar weder vernetzen noch abrufen.“

Das scheint mir eine nette Analogie zum Dilemma der US-Geheimdienste zu sein: Wie wollen die nur den ganzen Kram auswerten? Das muss doch Jahrzehnte dauern. Oder werten Sie das meiste gar nicht aus? Ist doch viel wahrscheinlicher.

Von mir aus kann die NSA ruhig meine E-Mails mitlesen. Oder meine Telefonate mitschneiden. (Meine Güte, werden die sich langweilen!)

Um es dem Lauschdienst noch leichter zu machen, schreibe ich Mails nur von meinem Google-Mail-Konto aus. Außerdem habe ich mich bei Yahoo angemeldet, weil die US-Geheimdienste von beiden Anbietern offenbar sehr gern Daten abgreifen.

Und jeder E-Mail stelle ich ab sofort eine auf Englisch geschriebene Executive Summary voran: damit die Geheimen in den Vereinigten Staaten keine Übersetzer bemühen müssen.

Allerdings: So viel Kooperation könnte natürlich auch wieder verdächtig machen, oder?

* Es hätten natürlich auch völlig andere Marken sein können: iPhone, Deutsche Telekom und Rewe. Oder: HTC One, Aldi-Talk und Netto. (Genug Product Placement?)