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„Wir gehen sehr nah ‘ran an unsere Protagonisten“

2470media: Gero / Screenshot aus der Multimedia-Reportage "Der Obdachlose" von Plutonia Plarre und Jannis Keil. Foto: © Jannis Keil/2470media
Screenshot aus der Multimedia-Reportage „Der Obdachlose“ von Plutonia Plarre und Jannis Keil. Foto: © Jannis Keil/2470media

Das Produktionsstudio 2470media ist mehrfach für seine Multimedia-Reportagen ausgezeichnet worden – unter anderem mit dem Grimme Online Award. Im Interview spricht Mitbegründer und Produzent Michael Hauri über den besonderen 2470-Blick auf Reportagen, über Vorbilder und die Schwierigkeit mit journalistischen Multimedia-Stücken Geld zu verdienen.

Bernhard Lill: Auf eurer Homepage schreibt ihr, dass ihr einen „ganz eigenen 2470-Blick“ habt, mit dem ihr an eure Projekte herangeht. Was kennzeichnet diesen Blick?

Wir nutzen Fotografie als Stilmittel und versuchen, diesen einen Bruchteil einer Sekunde einzufangen, um damit Geschichten zu erzählen.

Bernhard Lill: Bei anderen Multimedia-Reportagen – wie „Snowfall“ von der New-York-Times oder „Am Berg der Fahrrad-Verrückten“ von der Zeit – wird die Geschichte hauptsächlich in Textform erzählt. Fotos und Filme wirken eher als Beiwerk. Welches Medium bestimmt eure Reportagen?

Das Format, das momentan bei uns im Vordergrund steht, ist die erweiterte Audio-Slideshow. 

Bernhard Lill:  Habt ihr Vorbilder?

 Mittlerweile suchen wir uns Inspirationen aus verschiedenen Bereichen – wie Hörfunk, Datenjournalismus.

Bernhard Lill: Für die Multimedia-Reportage „Stille Nacht“ hat Lela Ahmadzai dieses Jahr beim World Press Photo Multimedia Contest einen Preis gewonnen. Wie kam es zu dieser Online-Reportage über das Massaker, das ein amerikanischer Soldat unter Afghanen angerichtet hat?

Lela ist zunächst für den Spiegel und die LA Times nach Afghanistan geflogen, um ein Print-Stück zu realisieren …

Bernhard Lill: Die Recherche und Produktion von Multimedia-Reportagen kosten Zeit und Geld. Demgegenüber versuchen Online-Redaktionen und Verlage möglichst zu sparen, wenn es um Web-Beiträge geht. Wie kann man mit Online-Reportagen heute Geld verdienen?

Es ist immer eine gesunde Mischrechnung, die einen auch Liebhaberprojekte verwirklichen lässt.

Michael Hauri ist Mitbegründer von 2470media.
Gesprächspartner Michael Hauri ist Fotograf, Produzent und Mitbegründer von 2470media. Foto: © 2470media

 

 

 

 

 

 

 

Link-Tipps:

• Homepage von 2470media.

• Lela Ahmadzais Reportage „Stille Nacht: Das Massaker von Kandahar“ hat dieses Jahr beim World Press Photo Multimedia Contest einen Preis gewonnen. Juror Ed Kashi begründet die Entscheidung. Die Multimedia-Reportage zusammen mit einem Themenpaket, wie es nach dem Massaker mit dem Täter und den Opfern weiterging, findet sich hier. Wie Lela Ahmadzai für ihr Projekt recherchiert hat, auf welche Schwierigkeiten sie dabei gestoßen ist und was sie bewegt hat, erzählt die Multimedia-Journalistin hier.

• Die mit dem Grimme Online Award ausgezeichneten Multimedia-Reportagen „berlinfolgen von 2470media hat die taz veröffentlicht. Darin porträtieren die Fotografen und Produzenten von 2470media hundert Berliner. Vorbild war das Projekt der New York Times: One in Eight Million.

• Zu den professionellen und sehr erfolgreichen Pionieren der Audio-Slideshow gehört der Amerikaner Brian Storm. Seine Firma: Mediastorm.

• Die Multimedia-Reportage gibt es in vielen Formen: als Audio-Slideshow (z.B. „Benidorm“ von Nicole Strasser), als Longform (z.B. „A Game of Shark and Minnow“ von der New York Times) und als multimediales Themenpaket. Letzteres hat National Geographic spektakulär in Szene gesetzt: mit dem Stück „Killing Kennedy„, einem multimedialen Vergleich der Lebensläufe, Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten von J F Kennedy und seinem Mörder Lee Harvey Oswald.

Multimediale Reportage zu JFK und seinem Mörder Lee Harvey Oswald
Foto: Screenshot. © National Geographic

Audio-Slide-Show: The Ninth Floor

Die Audio-Slideshow The Ninth Floor stammt aus der amerikanischen Multimedia-Schmiede „Mediastorm“ und zeigt den Alltag von Junkys in einem New Yorker Hochhaus. Hart, rau, manchmal kaum zum Aushalten. Aber absolut gut fotografiert und umgesetzt.

In an apartment above Fifth Avenue, some thirty young people live in a vortex of drug addiction and despair. In The Ninth Floor, Jessica Dimmock enters this world, exploring, in human terms, what has been lost and what may be recovered. See the project at http://mediastorm.com/publication/the-ninth-floor